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Aus unserer internen Schule

Auch bei uns, wie überall in den Schulen, wird oft gestöhnt.
Die Fülle der Fakten, die von den Schülern zu verarbeiten sind, wächst von Tag zu Tag. Parallel dazu wächst die Unfähigkeit, zumindest aber die Unsicherheit beim Verarbeiten dieser Mengen an Infos und Fakten. Wir Lehrer müssen uns immer wieder bewusst oder auch unbewusst die Frage stellen: Lehren wir richtig?

Bildung heisst: soziales und intellektuelles Lernen miteinander verbinden.

Gewöhnlich stellt man sich die Klasse als homogene Gruppe vor. Abweichungen von dieser vorgestellten Einheitlichkeit wird stets als negativ und störend empfunden. Die Wahrnehmung von schwierigen Lerngruppen und störenden Schülern bestimmt auch das weitere Vorgehen. „Störefrieden“ möchte man das Handwerk legen. Da sie den „Frieden stören“, muss man sie zur Not loswerden, jedenfalls werden sie zum „Gegner des Lehrers“.
Solche Schüler, mit solchen Hintergründen kommen zu uns aus den verschiedensten Klassengemeinschaften.

Um mit solchen Kindern und Jugendlichen arbeiten zu können, ist es nötig zu akzeptieren, dass es nicht ein Idealbild von Unterricht gibt, sondern dass die Methodik immer wieder anders und neu auf die schwierigen Schüler abzustimmen ist.
Das Ausgehen von Homogenität in der Klasse und die Beschränkung auf die Vermittlung von Stoff taugen hier nicht mehr. Nur wenn wir die Vielfalt und Eigenheit unserer Schüler akzeptieren, können wir auch strukturell etwas verändern.

Wir müssen erkennen und akzeptieren, dass in unseren Lerngruppen eine Vielfalt von Persönlichkeiten, Ethnien und Leistungspotentiale sitzen. Das Akzeptieren dieser Tatsache macht es uns möglich nach strukturellen Lösungen zu suchen.

  • Was für Strukturen brauchen wir um alle diese verschiedenen Kinder optimal zu zu fördern?
  • Welche Zusatzprogramme muss die Schule (Heim) anbieten, um allen gerecht zu werden?
  • Worauf muss ausserhalb des Schulgeschehens geachtet werden, um das Miteinander zu gewährleisten?

Der individuelle Blick auf die Schüler hat für unsere Schule verschiedenes zur Folge:

  1. Persönliches und individuelles Reagieren auf die Kinder und Jugendlichen ist gefordert. Unterschiedliche Kinder brauchen unterschiedliche Lehrerreaktionen:
    Einige Kinder erhalten Bestätigung und Ruhe durch mehr Zuwendung. Andere brauchen Distanz und Abgrenzung, Autorität, Unnachgiebigkeit. Einige sind hungrig auf Lob und Anerkennung, andere reagieren darauf mit Verachtung, wollen Ansporn und Herausforderungen. Einige brauchen eine kleine Geste, ein Augenzwinkern um ein Signal zu erhalten, ich bin wahrgenommen, ich bin wichtig. Andere sind Egoisten und brauchen eher Reaktionen, die ihnen zeigen, dass es gleichberechtigt mit ihnen noch andere Kinder in der Klasse gibt.
  2. Aus diesen jungen Individuen muss aber auch eine Lerngruppe gemacht werden, denn es ist für den Lehrer unmöglich, ständig und jederzeit mehrfach verschieden zu reagieren. Die Klasse braucht auch als Gruppe Stabilität und Sicherheit um individuelles Agieren der Schüler und individuelles Reagieren des Lehrers auszuhalten und zu akzeptieren. Gemeinsamkeiten und Gruppenerfahrungen in der Klasse, feste Regeln und Rituale, sowie eine Kultur, die Unterschiedlichkeit akzeptiert und integriert und konstruktiv mit Ungleichheiten umgeht, sind nötig und müssen aufgebaut werden.
  3. Um den unterschiedlichen Lerntypen in der Klasse gerecht zu werden, braucht der Unterricht auch eine Differenzierung in den Unterrichtsformen.

Es braucht immer wieder den zentral organisierten Unterricht (der Lehrer behält die Fäden in den Händen), aber genauso den dezentralen Unterricht (die Schüler organisieren sich selber und erhalten mehr individuellen Freiraum).

Innerhalb dieser verschiedenen Grundformen des Unterrichts braucht es verschiedene Differenzierungen für unsere verschiedenen Schüler.

  • Differenzierung in der Methode
  • Differenzierung durch verschiedene Lernzugänge
  • Differenzierung durch zusätzliche Lernhilfen
  • Differenzierung durch Zusatzangebote
  • Differenzierung durch Niveauunterschiede
  • Differenzierung durch Individualisierung des Unterrichts
  • Differenzierung durch langfristige Arbeiten und Projekte
  • Differenzierung durch zeitweilige Gruppenteilung

All diese Differenzierungen zeichnen sich durch Ungleichzeitigkeit im Unterrichtsverlauf aus. Darauf müssen wir uns als Lehrer vorbereiten, sonst sind Unterrichtsstörungen und Probleme vorprogrammiert. Wir müssen also auch Ersatz- und Zusatzprogramme bereithalten, damit unsere Schüler immer eine sinnvolle Aufgabe zu bearbeiten haben.

Wir sind in der glücklichen Lage im Schulzimmer 6 Computer direkt in den Unterricht integrieren zu können. Dadurch findet sich immer eine sinnvolle Anwendung, die die Schüler auch anspricht und an der sie interessiert arbeiten. Auch verfügen wir über einen Internetanschluss im Schulzimmer, über den sich unsere Schüler mit weltweitem Wissen eindecken können und den sie zur Orientierung bei ihrer Berufswahl rege benützen.

Auch dank solchen technischen Hilfsmitteln ist es möglich, mit „grösseren Kleinklassen“ (momentan 14 Schüler) noch sehr differenziert und individuell Unterricht zu erteilen.

Ueli Scheidegger

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 17. September 2009 um 06:38 Uhr  

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